Für- und Miteinander
Vor einigen Tagen habe ich mir «Seaspiracy» angesehen. Ein weiterer Film, der eine Ungerechtigkeit aufzeigt. Uns bewusst machen möchte, wie fest wir aus der Balance geraten sind und mit unserem Verhalten sowohl unsere Natur als auch deren Lebewesen (und dadurch auch uns selbst) zerstören.
Meine Schwester beschreibt das Gefühl nach solchen Dokumentationen ziemlich treffend:
Weltuntergangsstimmung.
Der Moment, an dem wir uns fragen: Was machen wir hier eigentlich genau? Wieso lassen wir das zu? Können wir überhaupt noch was dagegen tun? Und hin- und hergerissen sind zwischen Machtlosigkeit (Wer bin ich schon? Was soll ich allein verändern können?) und dem Drang am liebsten direkt loszugehen und diesem unmenschlichen Treiben ein Ende zu setzen.
Was mich nach solchen Dokumentationen immer am meisten erschreckt, ist, wie schnell diese Gefühle wieder in den Hintergrund geraten, wie schnell wir wieder in unserem Alltag zurück sind und verdrängen oder gar vergessen, was an einem anderen Ort gerade passiert. Unseren eigene Verpflichtungen nachgehen und nicht mehr hinschauen, wie unsere Welt dadurch mit jedem Tag mehr leiden muss. Vielleicht auch nach ein paar Wochen wieder Fisch oder Fleisch essen und unsere eigene Lust, Bedürfnisse oder Gewohnheiten überwiegen.
Und die Fragen, die mich dabei immer und immer wieder beschäftigen sind:
Was führt uns dazu, einfach so weiter zu machen, wie bisher?
Wieso sind wir in gewissen Hinsichten eine solch primitive Gesellschaft?
Wann wird das eigene Interesse endlich durch das kollektive Bedürfnis ersetzt?
Und wie kann das geschehen?
Ich glaube, die erste und wichtigste Antwort darauf ist, dass sich all dies erst verändern wird, wenn wir uns endlich bewusst dafür entscheiden, uns für andere zu interessieren, uns um andere zu kümmern und zwar um uns alle, nicht nur um diejenigen Menschen, die uns nahestehen.
Das Problem ist, dass wir uns nicht als Teil der gesamten Menschheitsfamilie erleben und daher sind die Probleme der Menschheit und deren Auswirkungen auf unseren Planeten oftmals nicht unsere eigenen, da sie uns (noch) nicht direkt betreffen.
Dabei kommt mir immer der Film «Avatar» in den Sinn. Eine Spezies, die unglaublich hoch entwickelt ist. Ihnen ist klar, dass wenn sie jemandem Leid zufügen, es früher oder später auch sie selbst treffen wird, denn wenn jemandem Leid zugefügt wird, möchte diese Person sich irgendwann wehren und wird ebenfalls Leid verbreiten. Uns ist dies schon auch bewusst, aber scheinbar ist es uns einfach oft egal oder zu wenig präsent. Wir denken nicht weiter, was unsere Handlungen im Alltag (sei dies mit einem Einkauf, einem Wort, einem Nicht-Hinschauen, etc.) für Auswirkungen hat oder sehen es nicht in unserer Verantwortung, etwas verändern zu müssen/können.
Die Lösung auf die Frage, was wir tun können, sehe ich in einem Bewusstseinswandel. Ein Wandel in unserem Denken und Handeln. Ein Wandel in unserer Perspektive. Ein Wandel in unseren Werten und Prioritäten. Einem neuen Respekt für das Leben und ein Verständnis darüber, dass alles miteinander verbunden ist, wir alle in der Verantwortung sind und es auch uns nie richtig gut gehen wird, wenn es anderen (seien dies andere Menschen, Tiere oder der Natur) schlecht geht.
Ein wunderbarer erster Ansatz wäre ziemlich sicher das bedingungslose Grundeinkommen (BGE). Das Ziel ist nicht, dass wir alle gleich viel haben oder verdienen. Das Ziel ist, dass zumindest die Grundbedürfnisse aller Menschen bedingungslos gedeckt werden und niemand ums Überleben kämpfen muss. Danach kann jeder Mensch selbst entscheiden, wie viel mehr er oder sie noch haben und welche Leidenschaften sie oder er dafür verfolgen und teilen möchte.
Wir haben definitiv genügend Ressourcen auf dieser Welt geschenkt bekommen. Sie müssen lediglich umverteilt werden. Es gibt viele gute Ansätze, um das BGE zu finanzieren. Alleine schon, wenn wir als Welt alle miteinander das Militär aufgeben würden, wären genügend finanzielle Ressourcen dafür da. (Und falls du nun denkst: “Corinne, bist du wirklich so naiv, daran zu glauben?” - JA, JA, JA!)
Durch ein BGE wäre es nicht mehr möglich, Menschen derart auszunutzen, wie dies in «Seaspiracy» gezeigt wurde. Vermutlich wären wir alle ausgeglichener, gesünder (weniger Druck/Stress) und könnten unsere Intelligenz und unser Herz dafür einsetzen, was wir wirklich tun möchten, was sinnvoll ist und was wir erleben möchten, ohne anderen Menschen, Lebewesen oder unserem Planeten (und dadurch immer auch uns selbst) wehzutun.
Eine weitere wichtige Ergänzung dazu wäre es, dass alle Firmen transparenter arbeiten müssten (Konzernverantwortung). Würden wir sehen, wie ein Produkt entstanden ist und welche Kosten oder auch welches Leid und welche Schäden dadurch verursacht worden sind, würden wir uns vermutlich von vielem distanzieren und wären nicht länger bereit, dieses Produkt oder diese Leistung zu unterstützen. Dadurch wären mehr und mehr Unternehmen dazu gezwungen, umzudenken.
Auch wäre denkbar, dass wir alle immer 10% unseres Einkommen spenden und dieses Geld für bewusste und nachhaltige Zwecke eingesetzt wird. Zurzeit brauchen wir dafür noch die Steuern. Nicht alle von uns sind freiwillig bereit, unsere Ressourcen zu teilen, weshalb wir praktisch dazu gezwungen werden müssen (Hinzu kommt, dass diese Finanzen zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht optimal eingesetzt werden).
Doch das alles wäre möglich, wenn wir umdenken würden.
Wenn wir sehen würden, dass wir zusammen hier sind. Und dass es immer Krieg und Leid geben wird, wenn es welche gibt, die «haben» und welche, die «nicht-haben». Wenn wir einsehen würden, dass es uns allen schadet, wenn wir dieses Ungleichgewicht aufrechterhalten. Wenn wir macht- und geldgierig denken und handeln und unsere eigenen Bedürfnisse über die Bedürfnisse unserer Welt stellen und uns dadurch letztendlich selbst zerstören.
Ich glaube ganz fest daran, dass je mehr Menschen umdenken, je mehr Menschen in ihrem Alltag bewusster handeln, kleine Veränderungen vornehmen, ethisch konsumieren, nachhaltige Zwecke unterstützen (im Falle von Seaspiracy beispielsweise Sea Shepherd), miteinander teilen, sich mehr und mehr vegan ernähren, auf ihr eigenes Herz hören, entsprechend handeln und wieder in ihre eigene Kraft kommen, ein grosser Wandel in dieser Welt stattfinden wird.
Und ich hoffe und wünsche mir für uns, alle Lebewesen und unsere Welt, dass wir uns in einigen Jahren an einem Punkt wiederfinden werden, an dem wir zurückblicken und unglaublich froh sind, dass dieser Wandel stattgefunden hat. Einen Punkt, an dem wir unsere Verantwortung wahrgenommen haben und weiter täglich wahrnehmen. Einen Punkt, an dem wir wahrhaftig aus solchen Dokumentation gelernt haben.
Bis dahin kann es hilfreich sein, unser Handeln und Denken immer wieder von der folgenden Frage leiten zu lassen:
«Was würde die Liebe tun?»