Wie Kinder lernen
Ich han idä letschte Wuchene s’Buch «How Children learn» vom John Holt glese und dur das ich läse lieb, wott ich am liebste amel all die guete Bücher teile und vergiss debi, dass nöd all sone Lideschaft für Bücher händ. Und will ich dä Inhalt vo dem Buch so wertvoll findä, han ich die wichtigste Sache drus ufgschriebe, für all die, wo nöd so gern leset wien ich:
1. Chind sind sooo gschiid. Scho als Baby kommuniziert und zeiget sie eus so viel.
2. Chind händ nöd gern meh Hilf, as sie selber drum bittet. Sie wend selber lerne (mir Mensche sind grundsätzlich defür gmacht z’lerne, so wie en Fisch da isch, zum schwümme) und wänn mir ständig helfe und «lehre» wänd, dömer Chind oftmals meh demotiviere oder verunsichere und ihne s’Gfühl geh, dass sies nöd allei chönd oder nöd allei schaffet. Chind lerned, indem sie usprobiere und debi au «Fehler» mache chönd und wenn sie debi ständig verbesseret werdet, denn chan das zu perfektionistischem Denke oder sogar Angst führe, öpis überhaupt z’probiere oder z’säge, wills eh falsch si chan. Es entstönd kei schlechti Gwohnheite oder Muster durs Nöd-korrigiere, sondern durs Korrigiere. Chind chönd und wend sich vo Natur us selber korrigiere, verbessere und witerentwickle (sowohl im sprachliche Bereich aber au i allne andere) und das passiert automatisch, wänn sie Ziit händ zum Sache beobachte, gseh, ghöre und sich denn agliche und ihri Fehler bzw. Underschied finde. (Anderi Erwachseni dömer au nöd ständig uf ihri Fehler hiwise, wills oftmals eifach unhöflich wär, wieso aber machemers bi eusne Chind?)
3. Tests zerstöret s’Lerne. Sie machet Chind ängstlich und nervös und setzet sie unnötig under Druck. Sie führet dezue, dass Chind eifach Fakte uswändig lernet, abgspaltet vom grosse Ganze und ohni dass sies würklich verstah oder awende chönd. Teste sendet am Chind d’Botschaft, dass mir kontrolliere mönd, ob sie würklich lernet/glernt händ und mirs au no für sie korrigiere mönd. Das zerstört Selbstvertraue, dä Lernwille und d’Neugier und au de natürlich Instinkt, wo Chind händ, zum sich selber verbessere.
4. Chind lernet nöd all glich schnell, so wie sich Chind au nöd immer glich schnell entwicklet. Mengi Babys laufet mit 8 Mönet, mengi mit 13. Mengi hend mit 6 Mönet scho ganz viel Zäh und anderi chömmet die erste mit 12 Mönet über. Bi Babys wird das no akzeptiert, aber nachher het mer plötzlich s’Gfühl, all mönd zämme ine Klass cho, wo im gliche Jahr gebore sind und gmäss gwüssne Richtlinie testet und gmesse werde und das seit denn irgendöpis über sie und ihre IQ oder susch was us. Chind lernet individuell und au nöd linear sondern i Sprüng und mengisch gönd die Sprüng füre, denn wieder zrugg zum sich versichere und denn wieder füre und dänn au mal wieder ine völlig anderi Richtig und es Intressi gaht verlore und chunnt spöter wieder, usw. Und die Sprüng sind umso grösser, wenn sie selber ah öpisem intressiert sind. Mir chönd ihne nur dä Zuegang zude Welt ermögliche und ihne denn uf ihrem Weg folge. Wenn Chind parat sind, werdets das lerne, wo sie lerne wend. Und denn wirds au richtig bliebe, wills denn genau das Puzzlestuck isch, wo sie bruchet zum en Zemmehang verstah oder neu z’verknüpfe und s’dänn eifach «klickt», passt und bliebt und nüm so eifach chan usegheie, wie das de Fall isch, wenn es Puzzleteil ohni Kontext unpassend igsetzt oder inedruckt wird.
5. Chind sie wie Same, wo langsam ganz viel chlini grüeni Blätter us de Erde spriesset und mir mönd ufpasse, dass mir die chline, fine Blätter nöd eis nachem andere abschnidet.
6. Chind möchtet Sache mache wie die Erwachsene und zwar so nöch und guet wies nur gaht und nöd um eus en demit en Gfalle z’mache, sondern um sich selber z’friede stelle.
7. Chind söttet i eusi Welt iglade und mitgnoh werde, z.b. au gseh, wie öpis funktioniert und hergstellt wird oder wie öpis entstaht. Drum isch es so wichtig, dass sie au ibunde werdet zum helfe bi und i dem wo mir machet, au wenns dur das teilwiis für eus viel länger gaht.
8. Chind lernet am beste vo ältere Chind, wo für sie «erreichbarer» sind und wo sie gsehnd oder beobachte chönd, wie öpis am beste gmacht wird (was wieder fürs alterdurmischte Lerne spricht – will au die ältere Chind chönd so fescht vo dem profitiere) und sie lernet au am beste, wenn sie sich underenand chönd ustusche, zämme emene Thema nagah, sich wundere, sich Sache fröge, usprobiere und gseh was funktioniert und was nöd. (wenn mer as Human Design denkt denn wird’s Chind geh, wo i dä Gruppe mit ihrem 1-Profil dezue biträge wänd, d’Fakte und Informatione z’sammle, s’2-Profil wird die natürliche Fähigkeite ibringe, s’3-Profil wird eifach mal welle mache und luege was passiert, s’4-Profil wird d’Gruppe zämmehebe, s’5-Profil wird praktisch denke und Lösige ibringe und s’6-Profil ebefalls usprobiere und d’Erkenntnis teile.)
9. Wänn Chind ihri Neugier und Offeheit bhalte chönd und sie ihne nöd ustrainiert wird, dänn denket sie flexibel. Sie gönd anes Problem nöd nur mit dem Wüssä ane, wo sie scho händ, sondern mit dem Wüssä, wo sie no nöd händ und dur das händ sie Zuegang zu viel meh Möglichkeite, neue Gedanke, Idee und Erfindige. Und das isch eigentlich viel die wichtiger Qualität weder efach Fakte uswändig lerne. Es macht wenig Sinn, Chind trochnigi Informatione bibringe, wo sie spöter dänn vilicht mal awende chönd. Will bis sie denn sowiit sind, isch ihne s’Awende (oder zumindest s’kreative Awende) meistens vergange. Und nüt git eim so viel Selbstvertraue und sones guets Gfühl, wie wemmer öpis direkt awende chan, es Resultat gseht und lernt, wie öpis funktioniert oder was drus entstah chan.
10. Wenn Chind ihri eigene Frage beantworte chönd und ihri eigene Problem löse dörfet, chömmets meistens viel witer und lernet debi oft meh, als mer ime ganze Schueljahr het chönne als Stoff underbringe. Und bevor mer Chind irgendöpis bibringt, chans hilfrich si, sie eifach mal mit de «Materie» spiele und usprobiere lah, so dass sie selber entdecke und sich wundere chönd, was das echt isch, was es macht, was es chan oder für was es da isch. I dem Prozess entstaht denn amigs automatisch scho alles, wo mer ihne het welle bibringe und es füehrt i so viel meh Richtige und zu so viel meh Verknüpfige as mer mit Frontalunterricht het chönne erreiche.
11. Chind bruchet ihri Fantasie nöd zum us dä Realität flüchte, sondern zum id Realität cho. Fantasie sind en Zuegang zudä Welt. Sie möchtet dur und dank ihrne Fantasie das mache, wo sie idä Welt beobachte chönd, sozege d’Realität i ihri Fantasie bringe, verarbeite und verstah. Zum Bispil gits es mengisch, dass Chind - au wenns nonig «richtig» schriebe chönd - so düend, as chönntet sie scho schriebe und das isch de erst Schritt zum dur die Fantasie denn au mal würklich welle so schriebe lerne, dass die ander Person s’au lese und verstah chan. Dur d’Fantasie chömmet Chind es stück nöcher ad «Realität».
12. Chind lebet inere komplexe und für sie oft unbekannte Welt, wo sie so viel nanig erfasse und verstah chönd. Aber sie lönd sich devo nöd verunsichere oder entmuetige sondern sie bewegt sich sooo guet drin. Sie sind voller Wunder, Neugier und Freud. Sie beobachtet alles, probieret us und bliebet debi offe und flexibel. Sie dönd ihri Wahrheit ständig korrigiere, verändere und apasse und händ kei Angst, öpis nöd grad z’schaffe oder Fehler z’mache (solang mir sie i dem Prozess nöd verunsicheret).
Und all die Pünkt erinneret eus dra, umzdenke und ich hoff, dass sie eus au wieder und wieder Muet machet, zum bestehendi Strukture z’verändere und neu z’gstalte und eus debi vo eusne Chind führe und inspirere lah.
Will mir chönd so so viel vo eusne Chind lerne, wo mir teilwiis vergesse händ: Offe bliebe, neugierig si, Sache eifach usprobiere und nie s’Gfühl ha, dass mir die ultimativ Wahrheit gfunde händ. Will die gits nöd. Es git nöd nur eis «richtig» oder ein Weg, sondern so vieli. Und au selber immer wieder versuechä, wie es Chind z’denke. En Schritt zruggmache und sich fröge: Was gsehn ich da? Was chan ich beobachte? Wie chan ich das, wo ich scho weiss oder glernt han, au eifach mal hinder mir lah und mich wieder viel meh wundere? Und eus denn überrasche lah, was us dem alles Neus entstah dörf und d’Magie wiederentdecke, wo i eusem eigene (Ver)lerne teilwiis verlore gange isch.